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Guru Padmasambhava
Legenden aus Nepal

 

Guru Padmasambhava

Wer nach Nepal reist begegnet auf Schritt und Tritt der in Thangkas, Skulpturen und Klosterwandmalereien verehrten Figur des tantrischen Meisters Guru Padmasambhava (Guru Rinpoche).
Historischer Ursprung und Verschwinden dieser sagenumwobenen Figur verlieren sich im Dunkeln.
Und das sind die Überlieferungen:
Als Buddha ins Nirvana eintrat, tröstete er seine Schüler, die über den Verlust ihres Meisters klagten, mit den Worten: "Dieses irdische Leben ist nur ein Durchgangsstadium und Trennung ist unvermeidbar. Aber bald wird einer kommen, der inmitten eines kristallklaren Sees in der Mitte einer Lotosblüte geboren wird. Er wird erscheinen im nordwestlichen Land Uddiyana (Indien) und wird weiser und kraftvoller sein als ich. Er wird die Lehren der "Geheimen Mantras" enthüllen und alle Lebewesen vom Leid erlösen."
Buddha sprach mit diesen Worten von Guru Padmasambhava (der aus der Lotosblüte Geborene)
Auf Grund dieser Prophezeiung wird Padmasambhava in Nepal, Tibet und Bhutan auch als "Zweiter Buddha" verehrt.
Aus historischen Quellen und Schriften ist folgendes von Padmasambhava (Guru Rinpoche) überliefert:
Der buddhistische Gelehrte und Tantriker Padmasambhava lebte im 8. Jahrhundert nach Christus; er stammte aus Uddiyana im nordwestlichen Kaschmir. In dieser Region konnten sich seit dem Zug Alexanders des Großen religiöse Strömungen aus dem Westen und Osten überlagern. So hatten besonders spätantike gnostische Elemente Eingang in den Buddhismus jener Zeit und trugen zu einer esoterischen Überlieferung bei.
Auskunft über das Leben Padmasambhavas gibt eine historische Schrift von einer seiner Schülerinnen: danach wurde er in der Mitte eines Lotossees geboren und aufgefunden. Vom König Indrabhuti wurde er an Kindes Statt angenommen und in den verschiedensten Lehren und Meditationen unterrichtet.
Der tibetische König Trisong Detsen lud den berühmten Tantriker Padmasambhava nach Tibet ein, um dort die Unheil stiftenden Dämonen zu bannen. Zu dieser Zeit war Padmasambhava bereits ein berühmter Gelehrter und tantrischer Meister an der Universität Nalanda. Auf seiner Reise nach Tibet durchquerte er auch Nepal. Dabei begegneten ihm viele "Dämonen", d.h. Personifikationen von starken emotional aufgeladenen Energiefeldern der gesamten Bevölkerung. Es heißt: "Die Dämonen flogen durch die Luft und es war kein sicheres Leben mehr."
Auf seiner Reise nach Tibet machte er an verschiedenen Stellen Nepals Rast, um zu meditieren, gegen Dämonen zu kämpfen, den Buddhismus zu erneuern und neue Kraft zu sammeln. Stätten seines Wirkens waren u.a. Muktinath, Tukche, Daman. An diesen Stellen stehen heute berühmte Klöster und Pilgerorte in Nepal.
In Tibet versammelte er bald viele Schüler um sich, zu denen auch der König selbst und seine Gemahlin Yeshe Tsogyal gehörten. Er erneuerte den Buddhismus und verfaßte zahlreiche "Schatz"Schriften. Seine Bezeichnung Guru Rinpoche heißt übersetzt: der kostbare, juwelengleiche Lehrer.
Guru Rinpoche wird auch heute noch in Nepal, Tibet und Bhutan ganz besonders verehrt. Man sagt, er ist klar und glänzend wie ein Regenbogen, lichtdurchsichtig, allwissend, die Buddhas der drei Zeiten scheinen durch seine Haut, das Licht schimmert durch seine Poren in absoluter Vollendung. Er sitzt auf einem Lotossitz des Mitgefühls und der Vollendung und ein Sonnenthron der höchsten Weisheit wohnt in seinem Herzen. Von hier aus erfüllt er die Zehn Richtungen des Raums mit Lichtstrahlen wie die Sonne.
Sein Mantra ist: Om Ah Hum Vajra Guru Padma Siddhi Hum.
Diese 12 Silben sollen den gesamten Segen der 12 verschiedenen Lehren Buddhas tragen. Deshalb ist der Segen, der aus der Rezitation des Mantras entsteht, gleichwertig zum Praktizieren der gesamten Lehre Buddhas. Diese 12 Silben befreien uns von den 12 Verhaftungen, mit denen wir an das Rad der Wiedergeburt gebunden sind: Unwissenheit, karmische Verwicklungen, wanderndes Bewußtsein, Verhaftung an Sinne, Gefühle, Verlangen, Wünsche, äußere Form, Krankheit, Geburt, Alter, Tod. Durch die Rezitation des Mantras werden diese Verhaftungen gereinigt und die karmischen Schichten komplett abgetragen.
Übersetzt bedeutet das Mantra etwa: Ich rufe Dich an, Vajra Guru, Lotosgeborener, durch Deinen Segen gewähre uns Deinen Schutz, Glück und Erfolg für weltliche und spirituelle Unternehmungen.

 

Legenden aus Nepal

Subhan erzählt folgende Geschichte zur Entstehung von Swayambhu und Kathmandu :


Vor langer, langer Zeit hatte ein weiser Bodhisattva in der Meditation eine Vision. Er sah ein Tal, das von einem großen See bedeckt war. Aus diesem See schossen an einer bestimmten Stelle Lichtfontänen empor von unglaublicher Schönheit: die Emanation des Adi Buddha! Er machte sich also auf einen Pilgerweg, um diesem Licht zu huldigen.
Als er das Tal und den See erreichte, erkannte er, daß er den See nicht überqueren konnte, und daß es nicht an ihm war, dieses Tal trocken zu legen. So meditierte und betete er zu dem Licht und warf einen Lotossamen an die Stelle der Lichtfontäne. Dann machte er die Prophezeiung, daß ein Bodhisattva nach ihm kommen würde, dem es beschieden war, das Tal zu öffnen, damit das Wasser abfließen kann und die Menschen an diesen Ort höchster Energie pilgern konnten.
Aus dem Lotossamen wuchs eine Blüte, in deren Lichtstrahlen sich der Ur-Buddha als Swayambhu - "der durch sich selbst Seiende" offenbarte.
Jahrhunderte später kam der Bodhisattva Manjushri aus China - von dem Licht angezogen, um dort zu meditieren und zu beten und diesem Licht seine Verehrung darzubringen. Er entdeckte eine Lotosblüte aus deren inneren Blütenblättern regenbogenfarbige Lichtstrahlen emporstiegen. In dieser Lotosblüte konnte Manjushri den sich offenbarenden Adi-Buddha erkennen.
Zunächst fand er keine Lösung dafür, wie er ans Licht gelangen könnte. So zog er sich in die Hügelkette östlich von Kathmandu zurück ( heutiger Name der Stelle: Nagarkot) zurück, um dort zu meditieren. Nach einiger Zeit der Meditation erkannte er was zu tun sei. Er ging zurück zum Süden des Sees und mit seinem Schwert durchschlug er die Felsen dort, die eine natürliche Barriere bildeten, und schuf so einen Abfluß für den Bagmati Fluß. Dann entdeckte er, daß der Swayambhu sich auf einem natürlichem Hügel befand. Er pilgerte dorthin und mit seinen Getreuen errichtete er dort einen Stupa, der dem Höchsten Buddha ( Adi Buddha) geweiht wurde.